Smalltalk hält Deine Fremdsprachen automatisch fit

Mit Gitarre leicht zum Smalltalk
Foto: Helbig

Meine Nachbarin kommt mit einer roten Kindergitarre aus dem Haus. Neugierig kommt ein kleiner Junge hinterhergesprungen. Er und ich zeigen uns gegenseitig ein paar gut klingende Schlagtechniken. Eine echte Win-Win-Situation! Ich habe gerade spontan meine private Gitarre-Übung aus dem Zimmer vor das Haus zu den Nachbarn verlegt. Und das wurde durch den folgenden Smalltalk möglich.

– Nachbarin: „Guten Abend, wie geht es dir?“
– Ich: „Sehr gut! War gerade in der Gitarrenstunde.“
– Nachbarin: „Wie schön. Die Gitarre habe ich noch nicht gesehen. Ist die neu?“
– Ich: „Ja, vorgestern habe ich sie in Condega gekauft. Spielst du auch?“
– Nachbarin: „Leider nicht viel, aber mein Sohn. Warte mal kurz.“

(ein Artikel von Magdalena mit Input von Raphaela)

Wie Du automatisch Smalltalk in der Fremdsprache übst

Individualistisch denkende Europäer, kollektivistisch denkende Latein-Amerikaner… Ich habe das schon so oft gehört.

Doch erst seit kurzem verstehe ich die grandiose Bedeutung des Smalltalks immer mehr – erst recht beim Sprachen lernen.

Smalltalk leicht
Foto: Helbig

Smalltalk beim Essen

Mittags kommt meine Gastfamilie in Nicaragua zusammen und sitzt zusammen. In meiner Gastfamilie teilt die Großmutter das Essen nacheinander an alle aus. Jeder checkt seine WhatsApp-Nachrichten. Ganz nebenbei unterhält man sich und erfährt Anekdoten der anderen. Dabei ist es wichtig, die Verbindung zueinander aufrecht zu halte. Im scheinbar unverbindlichen Smalltalk ist unheimlich viel versteckt, deshalb ist Smalltalk sehr kostbar.

Sobald ein Problem angedeutet wird, setzt die Familie alle Hebel in Bewegung um diese zu lösen. Nach dem Mittagessen gehen alle wieder zu ihrer Arbeit, zur Uni oder sie erledigen Arbeiten im Haushalt. Und auch wenn dies beendet ist, spielt sich das Leben in der Küche oder im Garten ab. Meist da, wo es auch WLAN gibt ;D

Alles läuft über Smalltalk – die Vorteile

Okay, das ist jetzt etwas provokativ formuliert – aber im Ernst! Über Smalltalk erreicht man hier in Latein-Amerkia die Leute. Es ist die gängige Form Kontakt zu halten, zu vertiefen, Projekte anzustoßen und voranzubringen.

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Durch regelmäßiges und kurzes Austauschen bleibt man mit den Leuten im Kontakt – oder man stellt diesen Kontakt nach und nach her. So banal es auch klingt: Wer sich nur sieht und nicht austauscht, verliert den Kontakt. Gespräche, die zu Beginn eher inhaltslos erscheinen, öffnen Türen für tolle Begegnungen und schulen letztendlich auch das Sprachgefühl. Man macht miteinander Witze und freut sich, ein neues Gesicht Willkommen zu heißen.

Bist Du bereit für Smalltalk?

Willst Du den Kontakt zu Deinen Freunden und auch Deiner Familie pflegen? Oder bist Du sogar gerade in Latein-Amerika? Vielleicht sogar, um ein Projekt umzusetzen? Dann iss zusammen mit Deinen Leuten! Du wirst sehen, dass der Austausch im Alltag euch zusammenschweißt.

Gespräche in der Familie sind uns eher individualistisch denkenden Deutschen ja noch relativ bekannt. Aber denkt dran, auch der Smalltalk mit Nachbarn, Bekannten oder (Arbeits-)Kollegen ist sehr sinnvoll. Solche Gespräche ergeben sich zum Beispiel mit dem Hausmeister und der Besitzerin vom Tante-Emma-Laden (in Nicaragua gibt es viele dieser Läden, die hier übrigens „Pulperia“ heißen).

Pimp deinen Wortschatz für „belanglose Unterhaltungen“

Stell sicher, dass Du das notwendige Vokabular zum Smalltalk hast:

– passende Begrüßung, wenn Du neu in die Runde kommst; am besten die regionaltypische

– Fragen nach allgemeinem Wohlempfinden (ENGL: How are you? How was your morning? How do you feel today? SPN: ¿como estas? ¿como te sientes? FRZ: ça va? Comment était ton jour?)

– landestypische Bestätigungsworte (ENGL: okay, yeah, amazing SPN: bueno, aha, si, claro FRZ: oui, oui-oui, j’aime bien)

– Mitteilen, was Dich gerade in diesem Moment bewegt VORSICHT: NUR BELANGLOSES, KEINE WELTBEWEGENDEN THEMEN!! (über Wetter geht immer, Vorfreude auf ein kommendes Fest, Neues aus der Familie)

– Nachhaken bei Dingen, die Dich interessieren (ENGL: and then? SPN: ¿entonces? FRZ: alors?)

– Verabschiedung (ENGL: See you later! Bye! Thank you for that inspiring talk today! SPN: ¡nos vemos! ¡Adíos! ¡era tuani contigo! (tuani ist „nicaraguanisch-spanisch“ und bedeutet perfekt, genial) FRZ: Salut! Au revoir! À plus!)

Smalltalk und Sprachen lernen

Ein unschlagbares Argument, sich auch als eher wortkarger Deutscher auf täglichen Smalltalk im Ausland einzulassen, ist der automatische Gewinn was die Aussprache betrifft. Es ist eigentlich offensichtlich, dass sich mit den kurzen Unterhaltungen die Aussprache und auch das Hörverstehen verbessert. (Dieses Wort „Hörverstehen“ erinnert mich gerade stark an meine ungeliebten CD-Tests in der Schule. Es geht echt so viel schöner und lebensnaher!) Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau diese Fähigkeiten im Sprechen und Hören beeinflussen, ob ich mich in einer Fremdsprache sicher fühle.

Ab jetzt Smalltalk

Smalltalk eigenet sich im Ausland zum Verbessern der Fremdsprachenkenntnisse.

Du bist gar nicht im Ausland, sondern in Deutschland? Kannst du zufällig irgendwo in Deiner Fremdsprache mit anderen üben?

Oder übe Dich doch mal in Smalltalk auf Deutsch… Und wenn Du später mal im Ausland bist, wirst Du sehen, wie leicht es Dir dann dort fällt, Gelegenheiten für Smalltalk zu finden und zu nutzen.

Also, worauf wartest Du noch? Setz Dich mit Deinen Leuten zusammen und redet ein bisschen.

Beim Bäcker, an der Kasse im Supermarkt, am Ticket-Schalter, im Haus. Tausch Dich mal mit den Leuten aus, die du immer wieder siehst!

Lass uns an Deinen Erfahrungen teilhaben: Wie findest Du Smalltalk und welche Gelegenheiten sind am besten dafür geeignet?

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2 Gedanken zu “Smalltalk hält Deine Fremdsprachen automatisch fit

  1. helbig sagt:

    Im Anschluss an meinen Sprachkurs in den USA im Jahr 1993 bin ich gern mit Greyhound-Bussen durch das Land gefahren. Da konnte ich mich dann stundenlang mit seinem Sitzplatz-Nachbarn im Bus unterhalten. Das war natürlich dann meist ein ausgiebiges Gespräch, aber es hat immer mit einigen Small-Talk-Floskeln begonnen.

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