Plötzlich im Krankenhaus in Nicaragua – 7 Phasen der Kommunikation im Ernstfall

Verrückt unter dem Moskitonetz
Foto: Helbig

In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie Du in Fällen wie Gefahren, Krankheit und Unfall am besten kommunizierst – in einem fremden Land und in der Fremd-Sprache. Kommunikation im Ernstfall.

Auf Versicherungen und Co werde ich hier nicht eingehen, dafür gibt’s andere Fachleute.

(ein Artikel von Magdalena, mit Raphaela)

Ich hatte Fieber, Gelenkschmerzen und allgemeine Müdigkeit. Das sind die Zeichen einer tropischen Fieberkrankheit. Deshalb habe ich mich auf den Weg zum städtischen Gesundheitszentrum gemacht. Die Ärzte haben mich direkt über Nacht dabehalten. Bin ich froh, dass ich alles verstanden und mich mit den Ärzten unterhalten konnte!

krank unter dem Moskitonetz
Foto: Helbig

Wie läuft so eine Kommunikation in einer Gefahren-Situation ab? In 7 Phasen.

Ich habe selbst 7 Phasen der Kommunikation im Ernstfall zusammengefasst.

Die 7 Phasen:

  1. Gefahr erkennen,

  2. Eigene Infos sammeln,

  3. Infos in die Fremd-Sprache übersetzen,

  4. Hilfe beim Experten suchen,

  5. Tue, was Dir möglich ist,

  6. Abwarten und vertrauen,

  7. Nachhaken.

(unten gehts weiter)

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Phase 1 – Gefahr erkennen

Du solltest Deine Sinne schärfen, sobald Du Dich nicht gut fühlst und Du bemerkst, dass etwas nicht „normal“ ist. Hier hilft es, wenn Du Dich vor der Reise über die allgemein bekannten Gefahren informierst. Vergiss nicht die regionaltypischen.

In meinem Fall wusste ich von meinem Tropenarzt aus Deutschland, dass in Nicaragua die Gefahr Tropenfieber lauert. Symptome sind Fieber, Gelenschmerzen und eine unglaublich große Schlappheit und Müdigkeit. Mit dem Tropenarzt hatte ich vor meinem Abflug nach Nicaragua alle möglichen Krankheiten und so besprochen und mir danach paar Notizen dazu gemacht.

Phase 2 –Eigene Infos sammeln

Damit eine schnelle und gute Kommunikation klappt, ist es wichtig, dass Du weißt, was Du sagen willst. Unter Stress und Angst blockiert unsere Gehirn manchmal die wichtigsten Informationen, und diesem Verlust kann man ja vorbeugen… Deswegen habe die Eck-Daten alle bereit. Am besten schreibst Du die Eck-Daten erstmal auf Deiner Muttersprache auf. Und dann gehst alles im Kopf ein paarmal durch.

Ich habe mich zuhause erstmal beobachtet, und im Kopf gesammelt, was mir gerade nicht normal vorkommt: Fieber, Gelenkschmerzen und enorme, allgemeine Müdigkeit. Diese Sachen habe ich mir auch aufgeschrieben. Auch habe ich mir notiert, wie hoch das Fieber jeweils war – mit Uhrzeit dazu.

Da ich in den letzten Wochen gereist war, habe ich mir außerdem aufgeschrieben, wo ich unterwegs war und ob das Risikogebiete für Tropenkrankheiten sind.

Phase 3Infos in die Fremd-Sprache übersetzen

Da Du Dich in einem Land mit einer anderen Sprache befindest, wirst Du in eben dieser Fremd-Sprache über die Gefahr kommunizieren müssen – mit dem Ziel, so die Gefahr möglichst aus dem Weg zu räumen. Deshalb übersetze Deine Eck-Daten alle in die Fremd-Sprache. Solltest Du kein Wörterbuch bereit haben, hilft es – während Du auf den Experten wartest – mit den Leuten um Dich herum zu reden. Auf diese Weise kannst Du wichtige Wörter herauszufinden, beispielsweise indem Du diese Worte umschreibst, oder einfach deine Symptome verbal, mit Handzeichen oder Pantomime beschreibst. Manchmal helfen auch ein Zeigewörterbuch (mit Bilder aller möglichen Situtationen) oder Fotos, um von Muttersprachlern die passenden Worte zu erfragen.

Im Warteraum habe ich mit meinem offline-Wörterbuch meine in Phase 2 zusammengeschriebenen Infos in die Fremd-Sprache übersetzt. Es ist aber nur ein ganz kleines Wörterbuch und natürlich war ich nicht auf alle Vokabeln vorbereitet.

Zum Beispiel wusste ich im Krankenhaus nicht alle Worte, um meine Symptome zu beschreiben. Durch Gesten und Umschreiben habe ich zum Beispiel das Verb „sich übergeben“ herausgefunden. Die Ärztin fragte mich, ob ich mich übergeben habe. Da ich sagte, dass ich das nicht verstehe, zeigte sie den Vorgang trocken mit geöffnetem Mund und einer ausführlichen Geste mit der Hand. Diese Vokabel werde ich bestimmt so schnell nicht mehr vergessen…

Phase 4 –Hilfe beim Experten suchen

Dem Experten kannst Du ruhig anfangs vertrauen. Damit meine ich, sag eingangs selbst nur das Wichtigste. Und dann warte mal ab, was der Experte sagt und fragt.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich bestätigen, dass man so am schnellsten und einfachsten bei der Diagnose und Therapie vorankommt – das gilt für Krankheiten und andere Gefahren.

Superwichtig ist bei einem so relevanten Gespräch, dass Ihr euch versteht – Du und Dein Gegenüber. Es muss kein fehlerfreier Dialog sein, aber eine gute Kommunikation, die möglichst keine Missverständnisse zurück lässt.

Versteht ihr euch gegenseitig nicht so gut? Dann suche Dir unbedingt jemanden, der für Dich oder den Arzt übersetzt. Manchmal braucht man unbedingt Profis als Übersetzer, aber das ist teuer! In einigen Fällen können auch Leute aus der Nähe oder aus dem Bekannten-Kreis übersetzen. Am Besten ist natürlich, du hast Dir die benötigte Fremd-Sprache zuvor aneignen können.

Im Krankenhaus hat der Arzt mit mir gesprochen. Er ist ein echter Experte für Tropenfieber – viel mehr als ich. Also habe ich ihm geduldig die Fragen beantwortet.

Obwohl ich schon einige Monate in Nicaragua bin, habe ich einzelne, bestimmte Medizinwörter nicht verstanden. Das war aber kein Grund zu Panik. Habe ich ein konkretes Wort nicht verstanden, dann habe ich versucht, es aus dem Kontext heraus zu verstehen. War ich mir nicht sicher, bin ich auf Gegenfragen und Gesten ausgewichen, um mich zu versichern, dass ich alles richtig verstanden hatte. Verstehen hatte Priorität, und das nicht unbedingt wortwörtlich.

Phase 5 – Tue, was Dir möglich ist

Im Gespräch hast Du vom Experten einige Tipps bekommen. Jetzt geht’s los, Du beginnst mit der Umsetzung! Höre dabei gut zu, damit Du auch wirklich das umsetzt, was besprochen war. Falls es viele Dinge sind, die Du tun sollst, schreib Dir alles zeitnah auf. Und dann setze davon soviel um, wie Du kannst.

In meinem Fall hatte mir der Arzt eine relativ leichte Aufgabe gegeben. Ich sollte jede Stunde ein Glas Wasser mit einer speziellen Lösung trinken, tags und nachts. Selbstverständlich habe ich das brav gemacht. In meiner angeschlagenen Situation hätte ich im Krankenhaus am liebsten durchgängig geschlafen. Aber ich folgte dem Rat der Ärzte, die meinten, dass das Trinken der Lösung Vorrang hätte.

Phase 6 –Abwarten und vertrauen

Der Experte hat Tipps gegeben, die Umsetzung erfolgte nun… Da ja bereits alles Wichtige kommuniziert ist, heißt es nun abwarten – mit sehr viel Vertrauen.

Mir ist aufgefallen, dass in anderen Ländern, die eine mir besonders fremde Kultur haben, Geduld sehr wichtig ist. Ich würde sogar sagen, dass Geduld dort eine nicht zu unterschätzende Schlüssel-Kompetenz ist. Viele meiner einheimischen Freunde hier in Nicaragua sehen die Fähigkeit der Geduld sogar als das Wichtigste an.

Als ich da so im Krankenhaus-Bett lag, konnte ich nicht viel tun. Ich habe stündlich mein Glas ausgetrunken und gewartet. Ich wartete also, in der Hoffnung, dass bald die Blut-Tests und co ausgewertet sein würden. Oder, dass der Arzt mal vorbei kommt… Ich wartete und wartete. Rückblickend betrachtet kann ich sagen, dass die Ärzte echt ,so oft es eben nötig war, vorbei schauten. Aber gefühlt dauerte alles so lang!

Die Zeit habe ich mir mit viel Schlafen vertrieben. Später ging die Zeit beim Quatschen und Singen mit meinen Bettnachbarn ganz gut vorüber. Und ich laß ein echt gutes Buch, das ich zufällig mit dabei hatte. Trotzdem saß ich in diesem Moment im Krankenhaus ziemlich auf Kohlen. Und zu meiner Ungeduld mischte sich auch noch Angst dazu, eine ungute Mischung…

Phase 7 –Nachhaken

Du hast lange und geduldig gewartet und wirst nun unruhig? Dann ist es vielleicht schon Zeit zum Nachhaken. Doch Vorsicht, werde nicht unfreundlich, wenn Du nachfragst!

Vermeide unbedingt Unfreundlichkeit, sonst könnten sich Dinge zum Negativen für Dich entwickeln. Warum? Du bist meistens von den Menschen um Dich herum abhängig. Wenn Dich diese Leute nicht mögen, könnte es sein, dass Deine Bitten nicht mehr zum Experten durchgegeben werden, und und und… Das kann schon in unserem Kultur-Kreis passieren, obwohl hier bei der Kommunikation die Informationsübertragung im Fokus steht. Doch erst recht passiert das im latein-amerikanischen Raum, in dem die Menschen beim Kommunizieren viel Wert auf die Beziehungsebene legen.

Meine Zeit zum Nachhaken war am Morgen. Ich hatte auf der Krankenstation übernachtet und es sollte schon bald Mittagessen geben. Noch immer hatte ich keine weiteren Informationen zu den Auswertungen der zweiten Blut-Tests bekommen. Ich erfuhr, dass es noch ein bisschen dauerte und dass alles auf dem Weg war. Also wartete ich nochmal geduldig etwa ein Stündchen. Und dann kam die Ärztin. Endlich.

Willst Du Dein eigener Übersetzer sein?

Zusammengefasst ist es am wichtigesten, dass die Kommunikation in solchen wichtigen und gefährlichen Situationen funktioniert. Scheu Dich deswegen nie, nachzufragen und Hilfe geduldig anzunehmen.Toll ist es, wenn Du in diesen Situationen Dein eigener Übersetzer sein kannst – oder zumindest dem Geschehen gut folgen kannst. Also ran ans Sprachenlernen.

Für mich war der Besuch im Krankenhaus eine echte Erleichterung. Die Menschen, die dort arbeiten, sind mir sehr freundlich begegnet. Es war sauber und vor allem habe ich mich sicher gefühlt. Rückblickend betrachtet, hatte eine Sache einen sehr großen und postiven Einfluss auf das Geschehen im Krankenhaus: Ich habe die Ärzte und auch die anderen Personen um mich herum verstanden.

Auch für die Erweiterung meiner Fremd-Sprachen-Kenntnisse war mein Krankenhaus-Aufenthalt positiv: Mit meinen aktuellen Spanisch-Kenntnissen konnte ich schon viel sagen und verstehen. Natürlich nicht alles – aber ich habe sogar im Krankenhaus was dazu gelernt:)

Und nächstes Mal weiß ich schon mehr. Denn jetzt bin ich auch dazu motiviert, mich durch spanisch-sprachige Gefahren-Präventions-Lektüre zu arbeiten. Vielleicht sollte ich auch mal was auf Spanisch über Tropenfieber und dergleichen lesen?

Warst Du schonmal im Ausland in einer gefährlichen Situation? Bei welchen Experten hast Du Dir Rat geholt? Und wie habt Ihr Euch verständigt?

unter dem Moskitonetz
Foto: Helbig

Links

Hier ein thematisch passender Artikel auf diesem Blog:

Hilfsmittel zum Reden:

  • Zeige-Wörterbuch, um Dich ohne Worte verständlich zu machen. Funktioniert super, wenn die Worte fehlen. Mein Exemplar ist schon viel älter und ein bisschen zerfleddert. Point it: Traveller’s language kit

  • Reise-Wörterbücher für die jeweilige Sprache, z.B. Langenscheidt Reisewörterbuch Englisch von Langenscheidt

Zur Prävention, wenn Du in Regionen bist, in denen Tropenfieber eine echte Gefahr ist:

  • Nobite schützt Dich vor Bissen, über die Tropenfieber wie Dengue, Zikka und Gelbfieber übertragen werden können. Wichtig sind laut Arzt Werte über 40% DEET. Nobite Hautspray

  • Mückennetz lässt Dich ruhig schlafen, trotz eventuell im Zimmer anwesenden Mücken. Moskitonetz zum Schlafen auf Reisen


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