Sprach-Arten – Wie die Gebärden-Sprache mein Denken über Sprache erweitert hat

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Foto: Helbig

Weißt Du, was ich im Titelbild des Artikels sage? Ist die Gebärden-Sprache auch eine offizielle Sprache? Und gibt es dann sogar mehrere Gebärden-Sprachen, wegen regionaler Unterschiede? Welche Arten von Sprachen gibt es? 

(ein Artikel von Magdalena, mit Raphaela)

Diese Fragen stellte ich mir, nachdem ich mich über Handzeichen mit zwei Gehörlosen unterhalten hatte. Dass es – ähnlich wie bei den gesprochenen Sprachen – regionale Unterschiede gibt, war mir schon bewusst. Doch sind das nun alles eigene Sprachen?

In diesem Artikel habe ich ein paar interessante Dinge für Sprachenlerner zusammengestellt, die ich während meiner Recherche zur Gebärdensprache gelernt habe. Das Thema Gebärdensprache hat mir geholfen, mal ganz generell und aus einer neuen Perspektive über Sprache nachzudenken. Welche Sprach-Arten gibt es eigentlich noch so? Am Ende des Artikels findest Du eine Antwort auf die Frage, ob die Gebärdensprache auch eine offizielle Sprache ist – und wenn ja, ob es mehr als eine gibt.

Quiz: Errätst Du, was ich in den beiden Bildern jeweils sage? Lass mir einen Kommentar da, was die Gebärde heißen könnte. Ich löse es auf, wenn es genügend Ideen gibt:)

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Foto: Helbig
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Foto: Helbig

Was ist eigentlich genau eine Sprache?

„Sprache wirkt im Prozess der Kommunikation als Medium zwischen dem Sender (Sprecher/ Schreiber) und dem Empfänger (Hörer/ Leser),“ so definiert die LernHelfer-Webseite, was Sprache im allgemeinen bedeutet (den Link gibt’s unten). Also nutzen Du und ich Sprachen als ÜberMITTLER während der Kommunikation.

Wenn eine Sprache zur Kommunikation dient, dann könnte ich die Welt der Sprachen ja deutlich weiter fassen als ich es bisher dachte. Sprachen waren bisher für mich: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch… Also eben die Sprachen, die irgendwer auf der Welt als Muttersprache mit Mund, Zunge und Ohren spricht, und was die andere als Fremdsprache lernen. Jetzt weiß ich, dass es auch Muttersprachler für Sprachen ohne Verwendung der Zunge und Ohren gibt.

Welche Sprach-Arten gibt es?

Es gibt verschiedene Schubladen, in die sich Sprachen einordnen lassen. In Sprach-Arten – so nennt das Tino Hempel. Und irgendwie gefällt mir seine Gliederung, um die weite Welt der Sprachen einzuteilen. Auf seiner Internetseite teilt Tino Hempel Sprachen in natürliche und künstliche (Link unten):

  1. Zu den natürlichen Sprachen zählt er die Muttersprache, Fremdsprachen und Gebärdensprache.

  2. Die künstlichen Sprachen teilt er in folgende Gruppen ein:

    • Fachsprachen (Mathematik; Physik; Programmiersprachen wie Java und Assembler in der Informatik…),

    • Welthilfssprachen (Esperanto; Interlingua; Ido;Volapük),

    • Zeichensprachen (Morsezeichen; Verkehrszeichen; Rauchzeichen…),

    • Geheimsprachen (Ceasar-Chiffre) und

    • fiktive Sprachen (Klingonensprache aus Star Trek; Neusprech aus dem Roman von Orwells).

In einem Gedankenexperiment versuche ich festzustellen, was es bringen würde, wenn ich möglichst viele Sprachen dieser verschiedenen Sprach-Arten beherrschen würde. Ich könnte viel mehr verstehen oder auch selbst ausdrücken. Ich könnte ohne groß auf die Suche zu gehen, viele verschiedene Inhalte verstehen, die über ganz unterschiedliche Sprach-Arten transportiert werden. Das wäre toll. Trotzdem könnte es noch immer sein, dass die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger nicht funktioniert… Das also was nicht so beim Empfänger verstanden wird, wie es der Sender gemeint hat. Das führt mich zum großen Ganzen: der Kommunikation.

 

(unten gehts weiter)

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Diese Kommunikation – Was ist das nun genau?

Die Bedeutung von Kommunikation ist sehr viel weiter gefasst als nur das Verstehen von Worten. Zur Kommunikation zählen auch Mimik und Gestik dazu.

Was andere über Kommunikation sagen: „Zu einer gelungenen Kommunikation gehört viel mehr als nur die selbe Sprache zu sprechen, da viele Signale auf der nicht-sprachlichen Ebene ausgetauscht werden“, gibt Andreas Thiele in der Fernsehsendung alphaLernen vom Bayrischen Rundfunk zu bedenken (den Link zum Video findest Du unten). Hat die Botschaft des Senders einen kleinen Informationsgrad, dann könnte der Empfänger besonders viel hineininterpretieren. Genau diese Gefahr beschreibt Mag.a Eva Tinsobin auf enjoyliving.at. Sie fasst eine Idee von Vilém Flusser zusammen: „Je weniger eine Nachricht in Form gebracht ist – informiert – desto mehr Selektions- und Interpretations-Spielraum bietet sie dem Gegenüber“. Ich kann den Artikel auf enjoyliving.de echt empfehlen (Link unten).

Kommunikation braucht also mehr als „nur“ Sprache. Und dass Gehörlose mit Gebärden kommunizieren können, das ist ja bekannt. Bewegungen, Mimik, Gestik, Zeichen… sind ja weitere Teile der Kommunikation.

Gebärden-Sprache – offizielle Sprache(n)?

Gleich zu Beginn des Wikipedia-Artikels zur Deutschen Gebärdensprache (abgekürzt mit DSG) werde ich fündig: Dort steht, dass die „DGS (…) eine eigenständige Sprache“ ist. Sie wird „von etwa 200.000 Menschen dauerhaft oder gelegentlich verwendet“ (Wikipedia, unten ist der genaue Link). Laut einer Kolumne auf ZEIT ONLINE gibt es insgesamt auf der Welt 200 Gebärdensprachen (Link unten). Allein der Fakt, dass es nicht nur Dolmetscher zwischen Laut- und Zeichen-Sprache gibt, sondern auch zwischen den einzelnen Zeichensprachen, genügt für mich als Beweis dafür, dass die einzelnen Gebärdensprachen für sich stehen. Also sind die Gebärendsprachen eigene offizielle Sprachen.

Ein Blick ins Gesetz lässt dann auch den letzten Zweifler auf deutschem Boden verstummen: Das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG) sagt klar und deutlich: „Die Deutsche Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt.“ (BGG Paragraph 6 Absatz 1). Also ist die Deutsche Gebärdensprache eine offizielle Sprache.

Wie weit tragen mich meine Sprach-Kenntnisse heute?

Sprache hat eine rießige Tragweite! Und TRAGweite meine ich hier im wahrsten Sinne des Wortes, denn Sprachen sind die Mittler und Instrumente der Kommunikation – sie überTRAGEN nach nah und fern.

Meinen persönliches Aha-Erlebnis über die Tragweite von Sprachen wurde durch die stumme Kommunikation mit meinen gehörlosen Bekannten ausgelöst. Und nun weiß ich, es gibt noch viel mehr Sprach-Arten! Vor allem die Erweiterung des Begriffes Sprache auch auf die künstlichen Sprachen wie in der Physik und Informatik hat mir die nocheinmal verdeutlicht, wie wichtig das Erlernen von Fremdsprachen ist. Um einen guten Transport von Informationen zu garantieren, möchte ich mir möglichst viele Sprach-Instrumente solide aneignen.

Mach doch einfach mal mit und vertiefe Deine Sprachen. Bleibe dran an Deinen aktuellen Fremdsprachen. Man kann übrigens die Gebärden-Sprache super zum Sprachenlernen nutzen. Tipps dazu gebe ich in einem anderen Artikel (Link unten).

Oder suchst du eine neue Herausforderung und willst deine persönliche und professionelle Kommunikation bereichern? Dann suche Dir doch mal einen neuen Sprachen-Art.

Erinnerung an’s Quiz

Errätst Du, was ich in den beiden Bildern oben jeweils sage? Lass mir einen Kommentar da, was die Gebärde heißen könnte. Ich löse es auf, wenn es genügend Ideen gibt:)

Links

Hier ein thematisch passender Artikel auf diesem Blog:

Zum Thema Gebärden-Sprache:

Zum Thema Sprache:

Zum Thema Kommunikation:


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2 Gedanken zu “Sprach-Arten – Wie die Gebärden-Sprache mein Denken über Sprache erweitert hat

  1. Philipp Kroiss sagt:

    Liebe Magdalena,
    Interssanter Artikel. Dass es über 200 verschiedene Gebärdensprachen gibt, habe ich nicht gewusst und hat mich sehr überrascht.
    Schön, wieviele Infos und weiterführende Links du hier knackig zusammenträgst.
    Auch ich bin (femd-)sprachenbegeistert und habe vor ein paar Monaten meine Erfahrungen mit der Birkenbihl-Methode beschrieben (http://gedankennomade.net/sprachen-lernen-mit-birkenbihl-und-assimil/). Denke, das könnte dich interessieren.
    Bis bald,
    weiter so,
    Philipp

    1. Raphaela Helbig sagt:

      Danke für die Blumen. Ja, das Buch von Birkenbihl habe ich auch. Und mit Assimil haben sowohl Magdalena als auch ich ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

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